{"id":770,"date":"2021-01-17T22:09:52","date_gmt":"2021-01-17T22:09:52","guid":{"rendered":"https:\/\/meerjungfrei.ch\/?p=770"},"modified":"2021-07-31T11:02:18","modified_gmt":"2021-07-31T11:02:18","slug":"5-tage-auf-dem-meer-3-sichtweisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/meerjungfrei.ch\/?p=770","title":{"rendered":"5 Tage auf dem Atlantik &#8211; 3 Sichtweisen"},"content":{"rendered":"\n<p>5 Tage auf dem Meer, 619 Seemeilen in 109 Stunden. Mittelmeer, die Strasse von Gibraltar und dann der Atlantik. Der zweit gr\u00f6sste Ozean unserer Erde, wenn wir diese Zeilen schreiben und lesen f\u00fchlt es sich verr\u00fcckt an. Verr\u00fcckt positiv und auch stolz, dass wir zu dritt diese grosse Etappe gemeistert haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Gerade f\u00fcr viele Langfahrten Segler w\u00e4ren f\u00fcnf Tage eine kurze Etappe, verglichen, welche \u00dcberfahrten einem bei einer Weltumseglung bevorstehen w\u00fcrden. Doch f\u00fcr uns war es die bisher l\u00e4ngste \u00dcberfahrt und ein grosses Wagnis. Wir waren gespannt, wie sich Wind und Welle verhalten, wie unsere Principessa die Bedingungen meistert aber nat\u00fcrlich auch wie wir als Crew und jeder individuell und pers\u00f6nlich die Zeit erleben wird.  <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em> Janinas Eindr\u00fccke: <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">So eine lange \u00dcberfahrt war absolutes Neuland f\u00fcr mich, ich war im Vorhinein sowohl nerv\u00f6s als auch in freudiger Erwartung. Da ich in vorherigen \u00dcberfahrten immer wieder mit einem flauen Gef\u00fchl und auch Seekrankheit k\u00e4mpfen musste, machte ich mir vor allem auch Gedanken \u00fcber meine physische Verfassung. Hinzu kamen auch die Zweifel ob wir zu dritt nicht sehr schnell \u00fcberm\u00fcdet sein werden. Unser Wachsystem, hatten wir so geplant, das Tags\u00fcber jeder 3 Stunden Wachen hatte und Nachts 2,5 Stunden. Hinzu kommt jedoch auch noch die passive Wache. W\u00e4hrend die Strasse von Gibraltar die Herausforderung der vielen Frachtschiffe mit sich brachte und viel Konzentration verlangte, waren es auf dem Atlantik die Wellen, welche zun\u00e4chst nicht sch\u00f6n achterlich sondern eher steuerbord kamen. Die gr\u00f6sste Herausforderung war dann jedoch das unser Autopilot schon am zweiten Tag ausgestiegen ist, was bedeutete, dass man permanent mit voller Konzentration Steuern muss. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Gerade f\u00fcr mich, die bisher noch nicht viel Erfahrung am Steuer &#8211; vor allem bei 5m hohen Wellen &#8211; hatte, war dies zun\u00e4chst auch eine Geduldsprobe. Immer und immer wieder schien es mir anfangs als ob die Wellen unsere Principessa aus Prinzip in die entgegengesetzte Richtung schaukelten. Doch sass zu beginn Mike noch neben mir, um mit Tipps und helfender Hand an meiner Seite zu sein. Kann ich sagen, bei der dritten Wache, fing mir das Steuern sogar an spass zu machen. Es ist ein ganz spezielles Prinzip des gemeinsamen Tanz von Schiff und Welle, doch hat man einmal den Rhythmus des Lieds begriffen, kann man sicher selber dem Tanz hingeben und diesen sogar geniessen. Wenn auch dies ein wundersch\u00f6nes Gef\u00fchl war, konnte es nicht mit dem Gl\u00fcck mithalten, welches ich empfand, dass wir jeden Tag von Delphinen besucht wurden. Es sind Momente in denen ich mich absolut im hier und jetzt befinde, lachen muss wenn ich meine die Freude der Pirouetten und Spr\u00fcnge der Delphine zu f\u00fchlen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Mein pers\u00f6nliches Fazit ist: selten habe ich mich so frei gef\u00fchlt wie auf diesen paar Quadratmetern mitten auf dem Meer. Ebenfalls war es spannend, sich in dieser Blase zu befinden, in der sich ein ganz eigener Rhythmus entwickelt, die Uhrzeit nur eine Zahl ist wann du wieder Wache hast und das schaukeln des Schiffes sich so im Kopf festsetzt, dass ich sogar noch nach der Ankunft in Lanzarote mich zum Kochen mit den F\u00fcssen eingekeilt habe um den nicht vorhandenen Wellen zu trotzen. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Mikes Eindr\u00fccke: <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Etwas nerv\u00f6s war ich schon vor der grossen \u00dcberfahrt. Wie es wohl sein wird 6 Tage auf See zu sein. Ob alles gut gehen wird? Wird sich das Wetter nicht zu sehr ver\u00e4ndern? F\u00fcr die Vorbereitung hatte ich meinem besten Freund in der Schweiz den Auftrag gegeben, ob er f\u00fcr mich das Wetter eine wenig im Auge behalten k\u00f6nne. Mir machte eine Tiefdruckgebiet etwas sorgen, dass sich mitten im Atlantik bildetet und nach den Vorhersage am 4. Januar auf den Kanaren eintreffen sollte. Wie wird sich dieses Tiefdruckgebiet entwickeln, wird es schneller werden und fr\u00fcher auf den Kanaren eintreffen. Wird es unsere Segelroute kreuzen, all das waren meine Gedanke im Vorfeld. Wir hatten die Reise mit etwas 4-5 Tage geplant und hatten so 1-2 Tage Reservezeit. Auch stellte sich f\u00fcr mich die Frage, werden wir zu Dritt gut die Schichten meistern k\u00f6nnen. Ich als Skipper versp\u00fcre immer vor solchen \u00dcberfahrten einen riesen Druck, gemischt auch mit etwas Angst, dass ich alle sicher ans Ziel bringen und niemanden etwas passiert. Am 29. Dezember legten wir gegen 16 Uhr ab. Zun\u00e4chst lief alles sehr gut und wir fuhren gem\u00fctlich unter Segel Richtung Gibraltar. Dort entschieden wir uns relativ nahe am Felsen vorbei zufahren. Dort erlebte ich das erste Mal, was Fallb\u00f6en wirklich sind. Die Winde kamen mit 25kn von den Bergen hinunter, und wechselten die Richtung im Sekunden Takt um 180 Grad. Schnell waren die Segel gerefft und die Reise ging weiter. Erstes Abenteuer auf der Fahrt abgehakt. Nun ging es darum die Strasse von Gibraltar zu durchqueren und dabei nicht mit einem der vielen Berufsschiffen zu kollidieren. Wenn man bedenkt, dass alle 5 min ein Container Schiff durch die Strasse von Gibraltar f\u00e4hrt und dazu noch die F\u00e4hren, Fischer und andere Schiffe kommen, muss man auf sehr viele Schiffe achten. Wir hielten uns n\u00f6rdlich und kreuzen die Strasse erst ganz am Ende. Was eine sehr kluge Idee war. Denn die Limonara durchquerte die Strasse der s\u00fcdlichen K\u00fcsten entlang und hatten mit grossen Wellen zu k\u00e4mpfen. Nachdem wir die Strasse hinter uns gelassen hatten, wurden meine \u00c4ngste und Bef\u00fcrchtungen etwas kleiner und die Anspannung liess etwas von mir ab. Insgesamt klappte der Wachplan sehr gut bei uns und auch ich kam zu gen\u00fcgend schlaf. Nachdem am ersten Tag beide Autopiloten den Geist aufgegeben hatten, mussten wir von dort an Handsteuern. Zuerst hatte ich bedenken, ob die gut klappen w\u00fcrden bei Tobi und Janina, gerade weil beide noch nicht viel Erfahrung hatten, bei grosser Welle zu steuern. Doch beide lernten sehr schnell, sodass auch weiterhin alles gut verlief. Die Zeit der \u00dcberfahrt raste nur so an mir vorbei und das obwohl ich nicht viel gemacht hatte w\u00e4hrend der \u00dcberfahrt. Ich habe gerade einmal ein einziges H\u00f6rbuch geh\u00f6rt, nichts gelesen, keine Serie geschaut und trotzdem waren wir pl\u00f6tzlich nach 6 Tagen auf Lanzarote. Ein Meilenstein haben wir geschafft und ich als Skipper bin unendlich stolz auf Janina und Tobi, die souver\u00e4n die Principessa durch den Atlantik gesteuert haben, ganz so als h\u00e4tten sie nie etwas anderes gemacht. Jetzt heisst es erstmal entspannen, die kanarischen Inseln entdecken und die Seele baumeln lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Tobis Eindr\u00fccke<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Einerseits freute ich mich auf die kommende Erfahrung, war aber dennoch sehr nerv\u00f6s vor der \u00dcberfahrt. Meine Erwartungen an mich selbst trugen ihren Teil dazu bei, denn ich wollte nicht Seekrank werden, um meine Schichten alle gut bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, sowie wollte ich dazu beizutragen das die Stimmung an Bord gut ist und gleichzeitig das Segeln zu geniessen. Aber getreu meinem Motto: sich nicht verr\u00fcckt zu machen und die ganze Zeit dar\u00fcber nachzudenken was alles passieren k\u00f6nnte, wollte ich es so nehmen, wie es ist und das Beste daraus zu machen. Mit diesen Gedanken hat sie die anf\u00e4nglich Nervosit\u00e4t rasch gelegt, denn wir haben uns soweit es geht auf die kommenden vier &#8211; f\u00fcnfeinhalb Tage vorbereitet. Weshalb sich also den Kopf zerbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&nbsp;Wunderbar beruhigend war, zu wissen, dass immer ein anderes Schiff in unsererN\u00e4he sein w\u00fcrde.Unsere neuen Freunde Simon und Lara mit Ihrer \u00abLimonara\u00bb wollten zusammen mit uns die lange Etappe bestreiten.Zum Zeitpunkt des Auslaufens legte sich meine Nervosit\u00e4t und und blieb bis zur Strasse von Gibraltar auch verschwunden.In derStrasse angekommen, war es bei mir mit der Ruhe dann vor\u00fcbergehend vorbei. Der rege Schiffsverkehr in der im Verh\u00e4ltnis zu den riesigen Frachtern und F\u00e4hren doch engen Meeresstrasse beunruhigte mich mehr als ich gedacht hatte. Das Problem war, dass man nachts, auf Sicht die Schiffe nicht auf den ersten Blick wahrnehmen konnte.Die Uferbeleuchtung spiegelte sich auf dem Wasser und die Positionslichter der Schiffe waren nicht mehr auszumachen.. Da ich mit 12 Jahren einen n\u00e4chtlichen Zusammenstoss mit einem anderen Schiff schon erlebt hatte war es f\u00fcr mich eine kleine Herausforderung hier ruhig und gelassen zu bleiben.Umso sch\u00f6ner dann, die Strasse hinter uns zur\u00fcckzulassen und den weiten Atlantik vor uns zu haben. Es war ein ehrf\u00fcrchtiger Moment f\u00fcr mich zu wissen, gleich auf dem grossen Atlantik zu sein.Bald aber stiegen leider unsere Autopiloten aus, was die Schichtpl\u00e4ne komplett \u00fcber Bord warf. Wir mussten die ganze Zeit auf Deck sein und von Hand steuern.Die grossen Wellen waren zu Beginn etwas gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig.Es spielte sich aber rasch ein und die Zeit verging wie im Fluge.Nach den ersten zwei Tagen verlor ich das Zeitgef\u00fchl und lebte von Schicht zu Schicht. Das Schlafen war anfangs noch ein Problem, ging sp\u00e4ter aber ganz leicht wenn auch nicht so erholsam wie an Land. Die sch\u00f6nste Zeit war tags\u00fcber wenn die Sonne schien. Da nahm ich mir einige Kissen und legte mich an Deck. Nachts wurde es frisch und es war nicht immer gem\u00fctlich, doch dies geh\u00f6rt zu einem Abenteuer auf See. So ging es vier Tage lang, bis am Horizont Land auftauchte.. Wir hatten es geschafft, Lanzarote kam in Sicht. Ich war zu diesem Zeitpunkt am Steuer als sowohl Land und auch der Telefon\/Internet Empfang kamen. So musste ich erst mal allen schreiben dass wir sicher angekommen sind und dazu die Neujahresw\u00fcnsche&nbsp; \u00fcberbringen. Dies vertrug sich nicht so gut mit dem Steuern und ich fuhr bisschen im Zick-Zack. Auf Lanzarote angekommen war ich wie erschlagen aber gl\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5 Tage auf dem Meer, 619 Seemeilen in 109 Stunden. Mittelmeer, die Strasse von Gibraltar und dann der Atlantik. Der zweit gr\u00f6sste Ozean unserer Erde, wenn wir diese Zeilen schreiben und lesen f\u00fchlt es sich verr\u00fcckt an. 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